Læsø liegt mitten im Kattegat zwischen Frederikshavn und Schweden, und schon die Überfahrt macht die Insel zu etwas anderem als einem gewöhnlichen Abstecher. Hier ist es vor allem die Landschaft, die das Tempo vorgibt: Salzwiesen, Trockenrasen, Heiden, Dünen, Wald und flache Küsten liegen so dicht beieinander, dass eine kurze Tour mehrmals ihren Charakter wechseln kann.
Die Kulturgeschichte von Læsø ist ungewöhnlich eng mit der Natur verbunden. Das salzhaltige Grundwasser auf den Salzwiesen von Rønnerne wurde im Mittelalter zur Herstellung von Siedesalz genutzt, und die intensive Salzsiederei erforderte große Mengen Brennholz. Der Mangel an Holz, Stroh und Getreide ist ein Teil der Erklärung für Læsøs besondere Tangdächer, bei denen das Material in Wirklichkeit Seegras ist. Der Museumsgården bei Byrum ist einer der Orte, an denen diese Bauweise noch immer als mehr als nur ein Postkartenmotiv zu sehen ist.
Große Teile der Insel sind als geschützte Natur ausgewiesen, und auf Sydlæsø treffen Salzwiesen, Trockenrasen und Heiden in einer Zusammensetzung aufeinander, die die dänische Naturbehörde Naturstyrelsen als besonders für das nördliche und westliche Dänemark hervorhebt. In der Klitplantagen verändern sich der Wald, die Dünen und die offenen Flächen im Rahmen eines Naturnationalparks, und ein so kleines Tier wie der Nördliche Ameisenlöwe trägt dazu bei zu zeigen, wie eigenartig die trockenen, warmen Lebensräume der Insel sein können.
Museumsgården, auch Lynggården oder „På Lynget“ genannt, liegt bei Byrum und steht an seinem ursprünglichen Standort. Hier ist das Tangdach kein Schmuck, sondern eine lokale Bauweise mit Seegras, gedrehten „Vaskere“ und losem Tang obenauf.
Der Hof war bis 1949 von Sine Krogbæk bewohnt, die in ihren letzten Jahren Museumswärterin in ihrem eigenen Zuhause war. Im Inneren steht das Inventar ungefähr so wie um 1860: offene Feuerstellen, Alkovenbetten, kein elektrisches Licht und ein Brunnen auf dem Hofplatz.
Die Vesterø Kirche ist eine der beiden mittelalterlichen Kirchen Læsøs, errichtet aus Backstein mit Chor und Schiff aus der spätromanischen oder frühen gotischen Zeit. Das rot gekalkte Äußere mit weißen Details macht sie im dänischen Kirchenbau ungewöhnlich.
Der Turm ist spätgotisch und steht im Verhältnis zum übrigen Kirchenbau leicht schief. Im Inneren treffen Balkendecke, Ziegelboden und das Gewölbe des Chors mit Kalkmalereien aus der Zeit um 1510-1525 aufeinander, in denen biblische Erzählungen mit zeitgenössischen Alltagsdetails vermischt werden.
Der Fannemandskanal begann in den 1930er-Jahren als Graben, der ausgehoben wurde, um das Strandgrasland für die Beweidung zu entwässern. Er wurde immer größer und erhielt vor Ort den Spitznamen „Panamakanal“.
Heute wird der Kanal mit der Fannemandsfähre überquert, einer kleinen Tragfähre für 3 Personen. Sie kann Fahrräder mitnehmen, ist kostenlos und liegt normalerweise von April bis November im Wasser. Das Gebiet gehört zur geschützten Westküste von Læsø, wo Strandwiesen, flache Wasserflächen und Rücksicht auf die Vogelwelt das Tempo bestimmen.