Bei der Kammersluse stehst du genau dort, wo die Ribe Å durch den Ribedamm und weiter hinaus in die Nordsee geleitet wird. Es ist ein Ort mit großen Linien: der Fluss, die Schleusentore, der Deich, das Marschland und der flache Horizont des Meeres liegen dicht beieinander, sodass sich der Weg des Wassers durch die Landschaft mit bloßem Auge ablesen lässt.
Die Schleuse ist nicht nur ein hübscher Punkt auf der Karte. Sie reguliert das Zusammentreffen von Süßwasser aus der Ribe Å und den Gezeiten der Nordsee, und die Tore reagieren auf den Unterschied zwischen dem Wasserstand im Fluss und im Meer. Bei niedrigerem Wasserstand in der Nordsee kann das Flusswasser abfließen; wenn das Meer höher steht, werden die Tore gedrückt. Auf diese Weise ist der Ort eine recht konkrete Lektion darin, warum die Marsch sowohl Natur als auch Wassertechnik ist.
Die Umgebung von Ribe Holme ist geschützt und reich an Vögeln, und die flache Landschaft macht den Deich markant, auch wenn er im klassischen Sinne nicht hoch ist. Es gibt keine ausgewiesenen Wanderwege im Schutzgebiet, aber Kammersluse, Deich und Marsch werden als Orte genannt, an denen die Landschaft vor Ort verständlich wird. Die schmalen, steilen Treppen hinauf auf den Deich sollte man beachten; die Aussicht ist von der Art, bei der das offene Land fast selbst Teil der Konstruktion wird.
Auf der Nordseite des Kanals liegt eine kleine Reihe von Ferienhäusern mit eigenen Bootsstegen. Sie gehören zum Kulturmilieu rund um die Kammerschleuse und den Kanal des Ribe Å, nicht als Zierde, sondern als Spur lokaler Freizeit am Wasser.
Die älteren Häuser haben oft einen selbstgemachten Charakter, fast wie Kleingartenhäuser, während neuere Häuser von Panoramafenstern und großen Terrassen geprägt sein können. Gerade der Unterschied macht die Reihe verwundbar: Kleine Veränderungen können schnell den Gesamteindruck in der offenen Marschlandschaft verändern.
Bei der Kammerschleuse passiert der Fluss Ribe Å den Seedeich, bevor das Wasser weiter in das vom Tidenhub geprägte Wattenmeer fließt. Die Schleuse wurde 1912 als Teil des Seedeichs von Roborghus bis Vester Vedsted errichtet, um die tief liegenden Gebiete hinter dem Deich vor Flut und Sturmflut zu schützen.
Hier liegen Süßwasser, Tidenhub und Küstenschutz ganz dicht beieinander. Auf der einen Seite liegt das Wattenmeer, auf der anderen die flache Marsch mit den Mäandern der Ribe Å.
Ribe Holme liegt westlich von Ribe, wo der Fluss Ribe Å eine markante Schleife in der Marschlandschaft bildet. Das geschützte Gebiet umfasst feuchte Wiesen, Röhrichte und offene Horizonte – genau die Art flacher Landschaft, in der die Vogelwelt Raum bekommt.
Der Schutz umfasst rund 177 Hektar und wurde 1978 umgesetzt. Es gibt keine ausgewiesenen Wanderwege innerhalb des Schutzgebiets selbst, daher macht der Ort vor allem vom Rand bei Kammerslusen, dem Deich und dem Blick über die Biegung des Flusses aus Sinn.