20 mDie Jelling Kirche liegt nicht nur neben der Geschichte, sondern mitten in ihr. Die weiß getünchte Kirche steht zwischen den beiden großen Hügeln aus der Wikingerzeit und in der Nähe der Jelling-Steine, sodass der Kirchenraum Teil derselben Erzählung wird wie Königsmacht, Runen und Christentum.
Von außen mag die Kirche wie eine romanische Dorfkirche wirken, doch der Ort ist weitaus komplexer. Die heutige Steinkirche steht am selben zentralen Platz im Monumentenbereich, an dem früher Holzkirchen standen. Laut UNESCO wurde die erste Holzkirche von Harald Blauzahn nach der Einführung des Christentums in Dänemark errichtet.
Der Chor ist einen genaueren Blick wert. Er könnte ursprünglich das Langhaus einer kleineren Steinkirche aus dem 11. Jahrhundert gewesen sein, und wenn diese Deutung zutrifft, gehört die Jelling Kirche zu den ältesten Steinkirchen Dänemarks. Der Tuffstein in den Mauern ist eine poröse, gelbliche Kalkablagerung, die der Kirche einen anderen Materialcharakter verleiht als vielen späteren Dorfkirchen.
Die Kirche ist nicht nur ein Denkmal. Sie wird weiterhin als Pfarrkirche genutzt, und fast jeden Sonntag finden Gottesdienste statt. Deshalb kann sie bei Gottesdiensten und kirchlichen Handlungen geschlossen sein. Gerade die Spannung zwischen alltäglicher Kirchennutzung und nationalem Symbol macht den Ort besonders: Unter demselben Dach treffen gewöhnlicher Sonntag, Weltkulturerbe und ein königliches Rätsel unter dem Boden aufeinander.
Der kleine Silberstreifen im Kirchenboden markiert den Ort, an dem unter dem Boden von Jelling Kirkes erstem Holzgebäude ein erneut bestatteter Mann gefunden wurde. Das Grab wird als mögliche Umbettung von Gorm dem Alten gedeutet, doch das lässt sich nicht sicher feststellen.
Die Funde waren keine Kleinigkeit: Reste von Goldbrokat aus einem vornehmen Gewand und zwei verzierte Silberbeschläge lagen bei dem Mann. Knochen und Zähne deuten auf einen Mann von etwa 173 cm und 35-50 Jahren hin.