5 kmHändler und Konsumverein in Skovlund
Skovlunds Kaufmannsladen und Genossenschaftsladen spiegeln Ansagers Handel und Genossenschaftsleben im Nachbarort wider.
Es gab keine kleinen Kinder, die kleine Fahrräder hatten, als Alice klein war. Es war nur der Sohn des Tierarztes und solche, nicht gewöhnliche Kinder. Alice wünschte sich so sehr, Fahrrad fahren zu können, aber sie hatte kein Fahrrad, nicht einmal eines, das sie leihen konnte. Jonna hatte auch keines, sie hatten nur das alte Dreirad.
Doch eines Abends, als Vater von der Arbeit in der Werkstatt nach Hause kam, hatte er ein kleines blaues Kinderfahrrad unter dem einen Arm, während er mit dem anderen sein eigenes Fahrrad lenkte. Da wurden im kleinen Haus wahrlich große Augen gemacht, als er mit dem Wunder ins Küchenzimmer trat. Alice hüpfte vor Freude, als ihr klar wurde, dass das Fahrrad ihr gehörte, es passte ihr wie angegossen.
Es war so gewesen, dass Vater, der Tischler war, für den Tierarzt etwas arbeiten sollte. Das dauerte ein paar Tage, und in dieser Zeit waren Vater und der Tierarzt ins Gespräch über ihre Kinder und so gekommen, und der Sohn des Tierarztes, Bent, der etwas größer als Alice war, war seinem ersten richtigen Fahrrad entwachsen. Wenn Vaters Kinder es gebrauchen konnten, durfte er es bekommen (möglicherweise als Teilzahlung)
Ach, wie aufregend das war, zu denken, dass man mit gerade einmal 5 Jahren sein ganz eigenes kleines Fahrrad bekam. Es dauerte nicht lange, bis Alice mit Vaters Hilfe für einen winzigen Augenblick das Gleichgewicht halten konnte. Sie übten und übten, bis es fast dunkel wurde. Es kamen keine Autos, denn es war 1950, und damals hatten nicht viele Autos. Sie hatten die ganze Straße für sich allein.
Die Tage vergingen, und Alice fuhr auf dem Haltrupvej hin und her. Doch eines Tages war sie zu schnell geworden, und sie wusste nicht, wie sie bremsen sollte. Da fiel sie um und schlug sich ein Knie schlimm auf, sodass es blutete.
Mutter wusch die Schrammen mit Seifenwasser, während Alice aus Leibeskräften schrie. Dann goss Mutter rotes Jod darauf, denn so machte man das, damit sich nichts entzündete. Zum Schluss wickelte sie Mullbinde um das ganze Knie, sodass ein schöner weißer Verband entstand.
Am nächsten Tag fuhren Mutter und die zweijährige kleine Schwester Doris nach Århus, wo Tante Elna gerade einen kleinen Jungen bekommen hatte. Mutter sollte dann ein paar Tage auf sie aufpassen. Alice war traurig wegen des verletzten Knies, denn wer sollte dann den Verband erneuern, wenn der alte schmutzig wurde. Das musste dann Vater tun, und Alices Vater konnte alles.
Matratzen mit einer Überraschung
„Jetzt will ich Mutter mit neuen Matratzen überraschen“, dachte Vater.
Mutter hatte schon lange davon gesprochen, dass sie neue Matratzen brauchten. Aber Vater hatte keine Zeit gehabt, ihr welche zu nähen. Ja, denn Matratzen nähte man selbst, wenn man ein gewisses handwerkliches Geschick hatte, und das hatte Vater.
Eines Abends, als Mutter und Doris fort waren, setzte Vater Jonna und Alice auf den Küchentisch, damit er den ganzen Küchenboden für sich allein hatte.
Dann breitete er ein großes Stück Jute auf dem Boden aus. (Jute ist ein sehr grober Stoff, der für Säcke und Matratzen verwendet wurde). Daraus nähte er einen sehr großen Sack, ebenso lang wie eine Matratze. Als er den Sack genäht hatte, holte er die alte Matratze aus dem Bett und schnitt sie auf, sodass die ganze Füllung auf den Boden fiel. Die Füllung bestand aus Holzwolle. Er stopfte die ganze alte Holzwolle zusammen mit einer Menge neuer in den neuen Sack, damit die Matratze fülliger wurde.
Jonna und Alice saßen dabei mucksmäuschenstill auf dem Küchentisch. Sie verfolgten Vaters Arbeit, und bald kam das Spannendste. Mit einer langen, gebogenen Nadel nähte er feine Kanten an die neue Matratze, damit sie statt sackförmig viereckig wurde. Er nähte auch Lederknöpfe in Abständen an die Matratze, damit sie ihre Form besser behalten konnte. Das dauerte sehr lange. Draußen wurde es schon ganz dunkel.
Vater arbeitete und arbeitete. Der ganze Boden war übersät mit Holzwolle, Jute, Garn, Schere und Nadeln. Alice und Jonna wurden langsam müde. Alice setzte sich ans Küchenfenster zu schauen, draußen war es stockdunkel.
„Da kommen Mutter und Doris!“, rief sie plötzlich.
Alice und Jonna jubelten und hüpften vom Tisch herunter.
Vater jubelte nicht, er war ganz entsetzt, denn sie sollten eigentlich erst am nächsten Tag nach Hause kommen. Aber Mutter sehnte sich danach, nach Hause zu kommen, also nahm sie einen Tag zu früh den Zug. Und den ganzen Heimweg hatte sie sich so danach gesehnt, in ihrem eigenen Bett zu schlafen.
Mutter konnte Unordnung nicht ausstehen, und schlimmere Unordnung hatte sie in ihrem Leben noch nie gesehen. Aber Vater beeilte sich, ihr Bett mit der neuen Matratze zu machen, damit sie gut schlafen konnte.
Alice Ravnholt